Ohmium: Der indische Herausforderer mit Siemens-Genen auf dem Weg zur Wasserstoff-Führerschaft?!

In der Welt der grünen Energie vollzieht sich ausserhalb Deutschlands ein bemerkenswerter Wachstumsrausch. Neben anderen Herstellern wie LONGi, Peric oder Thyssenkrupp Nucera sticht das Unternehmen Ohmium International hervor, das mit einem radikal anderen Ansatz die etablierten Giganten der Wasserstoff-Branche herausfordert. Während Europa traditionell als Wiege der Elektrolyse galt, verschiebt Ohmium das Produktionszentrum für Serienfertigung nun massiv in Richtung Indien – geführt von einem Gesicht, das man in Deutschland bestens kennt.

Die Brücke nach Deutschland: Der "Tacke-Faktor" 

Seit dem 1. Juli 2025 wird Ohmium von Markus Tacke als CEO geleitet. Die Personalie schlug in der Branche hohe Wellen: Tacke ist kein Unbekannter, er war zuvor der CEO von Siemens Gamesa und leitete davor die Windkraft-Sparte von Siemens.

Sein Wechsel zu Ohmium ist ein strategisches Signal. Tacke bringt die Erfahrung mit, wie man Gigawatt-Infrastruktur im Bereich der Erneuerbaren Energien skaliert. Während sein ehemaliger Arbeitgeber Siemens Energy auf massive, monumentale Elektrolyseur-Stacks setzt, führt Tacke Ohmium nun in eine Ära der „Hyper-Modularität“. Er weiß aus seiner Zeit bei Gamesa genau, wie fluktuierend Windstrom ist – und genau dafür hat Ohmium seine Technik optimiert.

Indien als Herzschlagkammer: Von 2 auf 4 Gigawatt 

Ohmiums wichtigstes Faustpfand ist die Produktion in Indien, einem Land mit einem massiv wachsenden Energiehunger. Während andere Hersteller noch über Fabriken nachdenken, liefert Ohmium bereits:

  • Die Gigafactory: Im indischen Doddaballapura (nahe Bangalore) betreibt das Unternehmen bereits eine Anlage mit einer Kapazität von 2 GW pro Jahr.
  • Die Verdopplung: Bis Ende 2026 soll diese Kapazität auf 4 GW steigen. Damit wäre Ohmium einer der weltweit größten Produzenten von PEM-Elektrolyseuren (Proton Exchange Membrane).
  • Marktführerschaft: In Indien hat sich Ohmium bereits einen Rahmenvertrag über 400 MW mit dem staatlichen Energieriesen NTPC gesichert – einer der größten Deals seiner Art weltweit.

Der modulare Ansatz: Kleiner ist effizienter 

Die neueste Entwicklung, der im August 2025 vorgestellte Lotus Mark 3, unterstreicht die technologische Führung. Mit einem Platzbedarf von nur 29,7 m² pro Megawatt (inklusive Wartungswegen) hat Ohmium den branchenweit kleinsten Fußabdruck. Das System ist so kompakt, dass es ohne Kräne installiert werden kann – ein Gabelstapler genügt in den meisten Fällen. Diese Flexibilität und Skalierbarkeit ist der Schlüssel für die Integration in bestehende Industrieanlagen.

Highlight-Projekt: Grünes Ammoniak als Gamechanger 

Neben Projekten wie einem 400 MW PEM-Elektrolyseur für den Partner NTPC Renewable Energy verdient Aufmerksamkeit auch die Rolle von Ohmium bei der Produktion von grünem Ammoniak. Dieses Projekt gilt als einer der wichtigsten Hebel für die globale Dekarbonisierung:

  1. Dünger für die Welt: Indien ist einer der größten Importeure von Düngemitteln. Durch die Kopplung von Ohmium-Elektrolyseuren mit Stickstoff-Synthese-Anlagen kann Indien seinen Dünger künftig CO2-frei vor Ort produzieren, anstatt ihn aus fossilem Erdgas zu gewinnen.
  2. Ammoniak als Treibstoff (Offshore-Revolution): Ohmium hat ein bahnbrechendes Abkommen mit SwitcH2 und BW Offshore (SwitcH2 B.V., BW Offshore Norway AS (BWO), thyssenkrupp Uhde, MARIN, TU Delft, Strohm und Ohmium für die PEM-Elektrolyseure) geschlossen. Geplant ist ein 300-MW-Projekt auf einem schwimmenden Schiff (FPSO, Floating Green Ammonia Plant) vor der Küste Südeuropas. Hier wird Windstrom auf dem Meer direkt in grünen Wasserstoff und dann in Ammoniak umgewandelt. Bedeutung: Grünes Ammoniak lässt sich leichter transportieren als reiner Wasserstoff und ist der Hoffnungsträger für die Schifffahrt der Zukunft. Die Anlage soll jährlich bis zu 300.000 Tonnen grünes Ammoniak produzieren – genug, um eine ganze Flotte von Hochseeschiffen ein Jahr lang anzutreiben.

Unter der Führung von Markus Tacke hat sich Ohmium vom indisch-amerikanischen Startup zum ernsthaften Konkurrenten für Siemens Energy entwickelt. Durch die Kombination aus niedrigen Produktionskosten in Indien, deutscher Management-Erfahrung und einem modularen Design ist Ohmium optimal positioniert, um die Lücke zwischen theoretischem Potenzial und realer Wasserstoff-Produktion zu schließen.



04/2026 © Gerald Friederici